Vieles hätte anders kommen können



MEDIZIN OHNE WEISSEN KITTEL

von Dr. med. Manfred Kemper

Inhalt


Vorbemerkungen
Die grauenhafte Kindheit
Die unspektakuläre Schulzeit (Gymnasium) und das Studium
Die ersten beruflichen Gehversuche
Die zermürbende Arbeit im Krankenhaus und als Notarzt

Es ist noch einmal gut gegangen
Das kleine Herzbeutelchen
Der schwerstverletzte Trittbtrettfahrer
Das grauenhafte Busunglück
Die falsche Entscheidung
Praxisalltag
Pädagogen
Die Aufwertung und der Zusatzbezeichnungswahn
Die hausärztliche Tätigkeit
Reanimation
Der Coach
Antiaging
Kleine Anthologie aus dem Praxisalltag
„Kein Männlein steht im Walde„ (Die erektile Dysfunktion: ED) und „Mann kommt zu früh„ (Ejakulatio praecox: EP)
Die falsche Assoziation
Das Anhängsel von Frau G.
Die „Trümmerzunge„
Der folgenschwere Mikrobenaustausch
Das gebrochene Hühnerbein
Die richtige Nadel am richtigen Ort
Die Selbstüberschätzung
Die richtige Nadel am falschen Ort
Der Gaul an der Stoßstange
Mit Seelenkrebs 12 Jahre durch die Hölle
Der erste tiefe Absturz
Die „Musiktherapie„
Das joggende Therapeutenteam
Gedanken zum Leben und der Gesundheit
Die (sich selbst) Alleinerziehenden und die soziale Kommunikation
„Better agen in Wellnesstempeln„ und „Lachgruppen„
Bewegung statt Sport
Das Multitalent Musik
Essen statt Ernährung
Die geistige Betätigung
Das Ehrenamt
Meine Gedanken und Empfehlungen
Abschließende Bemerkungen und mein (ganz) persönliches Glaubensbekenntnis


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Leseprobe:


Kleine Anthologie aus dem Praxisalltag

Diese kleine Anthologie soll zeigen, wie interessant die Tätigkeit als praktischer Arzt (Allgemeinmediziner) 20 Jahre in einer großen Land(Vorstadt)praxis war.
Diese Jahre gehörten zu den schönsten meines Lebens und haben meinen Umgang mit dem Mitmenschen stark geprägt. Ich möchte diese Zeit auch „Gründerzeit„ nennen, da ich in den 20 Jahren einige Gruppen ins Leben rief, die sich fast alle über meine Zeit hinaus gehalten haben, ja größer geworden sind.

• Herzsportgruppe im Nachbardorf
• Schmerz-Selbsthilfegruppe für chronisch Schmerz-kranke in Siegen
• Präventivsportgruppe
• Seniorengruppe, die im Februar 2014 ihr 25jähriges Bestehen feierte.

Ich sagte bereits, dass die Hypomanie meine Normalität war und es kam selten vor, dass mir etwas zu viel wurde.
In den fast 20 Jahren meiner Tätigkeit als Landarzt habe ich viele schöne, aber auch viele bedenklich stimmende, ja traurige Erfahrungen sammeln dürfen, die mein eigenes Leben mitgeprägt haben. Es waren die schönsten Jahre meines beruflichen Daseins. Da ich, anders als in den Krankenhausjahren, mitten unter meinen Patienten lebte, sie begleitete, ihr soziales Umfeld kannte und ich für sie nicht nur „Oos Doktrr„ war, sondern auch Freund und Helfer außerhalb der medizinischen Versorgung.

Vielleicht waren es die Freundschaften, die Hilfsbereitschaft (gegenseitig) und die Dankbarkeit, die trotz manchmal sehr langer Arbeitstage bei mir kein „Burn out„-Syndrom hervorgerufen haben.
Vom Arbeitspensum her gesehen hätte man aus den 20 Jahren 25 machen können, von den Erfahrungen her, vor allem im psychosozialen und gerontologischen Bereich 30 Jahre.
Das klingt übertrieben, entspricht aber meinem Empfinden.


„Kein Männlein steht im Walde„ (Die erektile Dysfunktion: ED) und
„Mann kommt zu früh„ (Ejakulatio praecox: EP)

Das sind Probleme, über die man bis heute nur ungern spricht. Auch ich war zeitweise von dieser unangenehmen erst genannten Störung betroffen. Ich hielt mich für anatomisch unzureichend gebaut, bis ich erfuhr, dass das Präludium, das Auffinden des G-Punktes und das Postludium (bitte googeln oder dudeln) oft wichtiger ist als die Anatomie und der eigentliche Vorgang. So klappte „es„ wieder nach der Änderung der bisherigen Gewohnheiten und „Spielarten„.
Die Hauptursachen für die ED sind:

1. Arteriosklerose (nicht nur der Herzkranzgefäße)
2. Anomalitäten
3. Psychische Ursachen
a) internalisierte Komplexe
b) man hat nach zum Beispiel 25 Ehejahren einfach keine Lust mehr.

Die Hauptursache für die EP sind Störungen im Neurotransmittersystem (Serotonin und Nuradrenalin).
Nach Aussagen der Kardiologen kann eine ED einem Herzinfarkt drei bis fünf Jahre vorausgehen.

Als vor mehr als 20 Jahren das Sildenafil (Viagra) auf den Markt kam, änderte sich einiges: Man(n) konnte bis zu vier Stunden Spaß haben.
Die Nachteile:

1. Viel zu teuer! (Eine Tablette: 12,50€, früher)
2. Eine Unmenge von Kontraindikationen (zum Beispiel alle Herzpatienten durften kein Sildenafil einnehmen, früher!)
3. Man(n) musste erregt sein (Lust haben)
4. Die arme Frau.

So konnten sich überwiegend „betuchte„ gesunde Männer diesen Spaß leisten. Später wurde das Dapoxetin (Priligy) für die EP zugelassen, ein Serotorin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRJ: bitte googeln).
Zum Thema eine wahre Begebenheit aus meiner Praxis:

Ich hatte von einem Pharmavertreter nach Einführung des Sildenafils eine Musterpackung Tabletten erhalten und lagerte sie in meinem Medikamentenschrank. Tage später kam ein junger, kräftiger, gesunder Bursche und sagte:

„Hey. Manni, ich habe gehört, dass es jetzt was gibt, damit kaaste stonnelang bumse.
Ich bejahte, da er kerngesund war, und gab ihm eine Tablette mit nach Hause. Kurze Zeit später bat er um einen Termin und sagte zu mir: „He, dat Züch kaaste selber fresse!„ Erstaunt fragte ich: „Warum?„ „Ich ha en rore Kopp kreije und dicke Bei, aber in der Botze (Hose) hät sich nix gedoa.„ (bitte nicht googeln!)
Auf die Gesichtsrötung hatte ich ihn hingewiesen, aber vergessen zu sagen, dass es nur wirkt, wenn auch die Libido vorhanden ist. Libido verstand er nicht und war der Ansicht, es sei die Marke eines Kleinwagens.
Nachdem ich es ihm erklärt hatte, gab ich ihm noch eine Tablette, und er erschien zwei Tage später erneut, zwar mit einem hochroten Kopf, jedoch glücklichem Lächeln.

Lange wurde gesagt, dass Sildenafil beim weiblichen Geschlecht nichts bewirkt. Heute weiß man es besser.
Bedingt durch die generelle Gefäßerweiterung kommt es nach Einnahme einer kleinen Dosis zu einer Vergrößerung der Klitoris und somit zu einer höheren Sensibilität und, ebenfalls auf Grund einer Durchblutungsverbesserung, zu einer verbesserten vaginalen Schleimabsonderung.
Gerade bei Seniorinnen ist bei nachlassender Hormonbildung eine trockene Scheide keine Seltenheit.

Heute wird Sildenafil therapeutisch auch eingesetzt bei schweren peripheren Durchblutungsstörungen. So mancher „diabetische Fuß„ konnte durch die Gabe von Sildenafil vor einer Amputation gerettet werden!
Die heute bekannten (Kardiologie!) Gegenanzeigen sind:

• der Lungenhochdruck (pulmanale Hypertomie)
• die schwere Herzsuffizienz (Herzmuskelschwäche)
• schwere Herzrhythmusstörungen und
• die Einnahme von Nitraten.

Bitte fragen Sie vor der Einnahme von Sildenafil Ihren Arzt, nicht Ihren Apotheker.

Als ich bei meinen (unseren) Herzsportgruppen einen Vortrag über das Thema „Sexualität im Alter„ hielt und deutlich erwähnte, dass Stents, Klappen- und Bypass-Operationen nicht mehr zu den Kontraindikationen zählen, sah ich in manchen Gesichtern den Anflug eines glücklichen Lächelns.

Die Kardiologie sagt, was die Anstrengung beim ----- betrifft, dass sie einem gemäßigten Treppenaufstieg gleichkommt. Mit anderen Worten: „Wer noch langsam die Treppe hochkommt, der kann auch noch (langsam) ----- !„
Selten hört man von plötzlichen Todesfällen beim Koitus, aber überwiegend bei fremdgehenden, übergewichtigen Senioren, die lange nicht mehr beim Arzt waren.
Wie passiert so etwas?

• Allein der Gedanke auf dem Weg zum Puff: „Hoffentlich sieht mich keiner!„ → Stress!
• Die Arbeit auf der Dame übersteigt die Kräfte → Stress!
• Man ist nicht mehr so gelenkig wie die junge, hübsche, schlanke Dame → Stress!
• Beim Verlassen des Lusttempels wieder der Gedanke: „Hoffentlich sieht mich keiner!„ → Stress!

All das Genannte kann zu Hause auch passieren, ist aber deutlich seltener als das vorher Beschriebene.
Noch länger als das Sildenafil (Viagra) wirkt das Tadalafil (Cialis). Es hat die gleichen Kontraindikationen, aber – es wirkt bis zu zwölf Stunden. Es ist geeignet für „Marathonläufer„, weniger für den „Sprinter„. Sollte die Libido wirklich die ganze Nacht bestehen bleiben, wäre es sicherlich angebracht, Päuschen einzulegen, sonst wären heftige Muskelkater zu erwarten, eventuell auch Schleimhautschäden.
Einen jungen Herrn kannte ich, der es wirklich geschafft hatte. Er sah aber nachher 20 Jahre älter aus.
Wie dem auch sei, denken Sie bitte nicht nur an sich, sondern auch an Ihre (arme) Partnerin! Aber nochmals (gilt für Viagra und Cialis) – ohne Lust gibt’s Frust.

Bitte, liebe Leser, seien Sie skeptisch bei rezeptfreien Aphrodisiaka. Zur Zeit wird Substanz X (TV) heftig umworben. Es handelt sich dabei um ein Phytotherapeuticum (Turnera diffusa) in homöopathischer Verdünnung mit unseriösen Aussagen. Bei denen, die es erwartungsvoll eingenommen haben, hat sich nicht einmal das „Köpfchen„ gehoben. Auch hier würde ich mich mehr auf die Schulmedizin verlassen!

Wenn Sie, liebe Leser, es einnehmen möchten fragen Sie bitte nicht Ihren Arzt, aber es hilft „Ihrem Apotheker„!
Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der „Arbeit„.

Die falsche Assoziation

Als ich schon einige Jahre meine Praxis führte, kam eines Morgens eine junge, adrette, hübsche Dame in mein Sprechzimmer und säuselte mit leiser, verführerischer Stimme: „Ich weiß schon wie du heißt, ich bin die A....„ Sie war etwa 30 Jahre alt und kam in Begleitung eines kleinen, unscheinbaren Männchens.
„Das ist mein Männe„, erklärte sie und beide setzten sich vor meinen Schreibtisch auf die Stühle. Sie erzählte, sie lebe mit ihrem „Männe„ in einer eheähnlichen Gemeinschaft, werde betreut und arbeite morgens in einer Tagesklinik im Nachbarort. Die Natur hatte bei und in ihr keineswegs mit Östrogenen gespart und sie zeigte ein deutliches Appetenzverhalten. Sie erzählte mir, dass sie alles andere als androphob (bitte googeln) sei und mich sehr nett fand. Sie rückte näher an meinen Schreibtisch heran, und ich dachte: „Gottseidank ist noch ihr Männe dabei.„ Der saß nur da und lächelte.
Dann beugte sie sich zu mir über den Schreibtisch, nahm meinen Kopf, drehte mein Ohr zu ihrem Mund und säuselte: „Weißte was mein Männe heute Morgen mit mir gemacht hat?„
Ich schüttelte den Kopf und sagte: „Nein, weiß ich nicht.„
Sie flüsterte anzüglich: „HLT!„
Ich assoziierte in diesem Moment total falsch und dachte: „Du altes Ferkel„, sagte aber: „Oouh!?„
„Weißte denn, was das ist?„
„Näh„, antwortete ich und rätselte verzweifelt an dem Akronym herum. Eine Ferkelei nach der anderen jagte durch meinen Hippokampus (Gedächtniszentrum). Ihr Männe saß...



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