Von 0 auf 70

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von Marie - Luise Welsch

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Leseprobe:


Inhalt
1 - Als alles begann
2 - Meine Großeltern und ich
3 - Der Rundflug
4 - Die Schulzeit
5 - Die Verlobung und die Hochzeit
6 - Meine Tochter Evamaria
7 - Mein Sohn Peter
8 - Der erste Urlaub
9 - Der Führerschein
10 - Sizilien 1967
11 - Was alles mit einem neuen Auto
12 - In der Kur
13 - Herzi meine Katze
14 - Warum ich
15 - In Italien
16 – Malta
17 - Ostern in London
18 - Ankunft in New York
19 - Beim Schlittenfahren
20 - In Griechenland
21 - Am Bosporus
22 - Florida, immer wieder
23 - Am Mississippi
24 - Im Spielcasino
25 - Das Glückskind
26 - Am Grand Canyon
27 - Der große Reinfall
28 - Der schnelle Tod
29 - In Mountaineer
30 - Abenteuer auf Korsika
31 - Mit dem Taxi unterwegs
32 - Das Flamingo Hotel
33 - Auf nach Marokko
34 - Der Abschied
35 - Nach Norden
36 - Die Linie 17
37 - Der Pudel und die Dame mit der Nachtschicht
38 - Die Perserkatze
39 - Weihnachten mit den Kindern
40 – Phobien
42 - Mein Computer und ich
43 – Nino

Leseprobe: … Textauszug 1: Als Alles begann…

Gerade noch rechtzeitig zum Ende der „Goldenen Zwanziger “wurde ich geboren. Meine Eltern waren nicht sehr begeistert, sie hätten gerne noch ein paar Jahre ohne mich verbracht. Bestimmt ahnten sie schon, dass es nicht die reine Freude sein würde, mich aufzuziehen. Meine Mutter hatte sich ein Buch über Kindererziehung gekauft und blätterte fleißig darin, aber es schien nicht so zu klappen, der Autor dieses Buches hatte bestimmt selbst keine Kinder. Daher begehrte ich auch gegen diese Erziehung auf.

Ich sah aus wie ein blonder Engel, mit himmelblauen Augen und Lockenkopf, aber ich sah nur so aus. Wenn wir zum Metzger gingen und die Leute sagten, ach ist das ein süßes Kind, dann rief ich laut, bekommt man hier keine Wurst geschenkt und natürlich beeilte sich die Metzgerin, mir ein Wienerwürstchen in die Hand zu drücken. Überhaupt die Geschenke, kam ein Besuch, stand ich an der obersten Treppe und fragte gleich: "Hast du mir etwas mitgebracht?" Verneinte der Gast, dann war er für mich erledigt und kein noch so energisches, gib das schöne Händchen, konnte mich veranlassen, dem Besucher auch nur noch einen Blick zu schenken. Das hatte zur Folge, dass sich niemand mehr ohne Geschenke zu uns traute.

… Textauszug 2:
Dann kaufte mein Vater ein Auto. Es war ein offener Wagen und er konnte nur bei schönem Wetter benutzt werden. Damals gab es noch keinen Wetterbericht im Radio, der nie stimmte, sondern man schaute aus dem Fenster, ehe man das Haus verließ und wenn die Sonne schien, dann fuhr man mit dem Auto. Eines Tages wollte mein Vater mit mir von München nach Regensburg fahren, um meine Großeltern zu besuchen. Man rechnete mit vielen Stunden Fahrzeit, denn das Auto war sehr langsam. Wir fuhren und fuhren und alle viertel Stunde musste ich aussteigen, ich saß auf dem Platz, unter dem die Kiste mit den Werkzeugen angebracht war und mein Vater drehte da und dort an einer Schraube, aber es klappte nicht so recht. Voller Verzweiflung setzte er sich auf seinen Sitz und überlegte, was wohl die Ursache sein könnte, dass das Auto nicht mehr fahren wollte. Da kam uns ein anderes Auto entgegen, der Fahrer stieg aus und fragte, ob er helfen könne. Mein Vater sagte, Herr Kollege, vielleicht können Sie die Ursache finden. Der Fremde schaute hier und dort und meinte, es fehlt gar nichts, außer Benzin. Das war meinem Vater sehr peinlich und so etwas ist ihm nie mehr passiert. Die Großeltern standen schon seit Stunden vor der Haustüre, sie konnten es nicht glauben, dass es mit dem Auto länger dauern würde als mit dem Fahrrad.

… Textauszug 3: Sizilien 1967
Das erste und einzige Mal, dass ich mir ein neues Auto kaufte, war im Frühjahr 1967. Ich war sehr stolz auf meine Errungenschaft und beschloss, im Urlaub nach Sizilien zu fahren. Ich hatte dort Bekannte, die ich in München kennengelernt hatte, die wollte ich besuchen.
Ich hatte keine Ahnung, wie endlos 2.200 km sein können. Ich war jung, das Auto war neu und ich konnte endlich für vier Wochen in Urlaub fahren. Morgens um fünf Uhr fuhr ich los. Um sechs Uhr am Abend war ich endlich in der Nähe von Rom und ging in ein Rasthaus zum Abendessen. Meine Füße waren total verschwollen, so betrat ich das Rasthaus eben barfuß.
Damals war man noch nicht so leger wie heute, ohne Schuhe, das gefiel nicht, aber was sollte ich machen, ich hatte Hunger. Dann fuhr ich weiter. Ich hatte schon fast die Hälfte des Weges hinter mir. Ich fuhr immer weiter, bis ich in die Nähe von Neapel kam. Die Autostrade del Sole hatte überhaupt keine Rastplätze, ich war müde und wollte ein bisschen schlafen, kein Rastplatz in Sicht. Da stellte ich mich auf die Standspur, klappte den Liegesitz herunter, ließ das Standlicht an und war sofort eingeschlafen. Dann klopfte ein Polizist von der Autobahnpolizei ans Fenster und fragte mich, was ist los? Ich bin müde, sagte ich, zweihundert Meter weiter ist ein Rastplatz, sagte er. Woher sollte ich das wissen.
Um fünf Uhr morgens machte ich mich wieder auf den Weg. Als ich durch Neapel fuhr, war noch alles still in der Stadt. Ich konnte keinen Wegweiser nach Salerno finden und fragte einen Mann, der des Wegs kam. Ich dachte, dass er ein Maurer sein müsse, weil er die Maurerkellen über der Schulter trug. Er war früh aufgestanden, um zur Arbeit zu gehen. Es war ein junger Mann, ungewaschen und unrasiert. …